Es spricht einiges dafür

Kälte, Schnee und Eis - Wird der Winter 2021/22 wieder extrem?

Warum eine warme Arktis für uns Extrem-Wetter bedeutet

Der Winter 2020/21 war ja mal wieder ein Winter wie früher. Es gab sehr viel Schnee, teilweise sogar Rekordschnee. Wir erinnern uns an die Rekordkälte in Spanien mit -35 Grad, wir denken zurück an das Tief ULLI, das noch im April 140 Zentimeter Schnee in den Bayerischen Wald brachte. Und wir alle wissen noch, wie viel Schnee in diesem Winter in den Mittelgebirgen lag. Leider standen ja wegen der Corona-Pandemie die Lifte still.

Jetzt ist es natürlich noch ein bisschen früh für eine Vorhersage, wie der Winter 2021/22 wohl wird. Aber es gibt einige Faktoren, die wir betrachten können. Und die lassen den Schluss zu: Der Winter 2021/22 kann wieder Extremwetter bringen. Wir erklären warum.

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Der Polarwirbel ist für unsere Winter verantwortlich - und er schwächelt immer öfter

Die Ausdehnung des Meereises ist ein Faktor für den Winter in unseren Breiten. Vereinfacht gesagt ist das Risiko für einen Winter mit Extrem-Ereignissen höher, wenn die Meereis-Ausdehnung in der Arktis geringer ist.

Wir wissen bereits, dass der Polarwirbel einen großen Einfluss auf unser Wetter im Winter hat. Der Polarwirbel baut sich im Herbst langsam auf, wenn es im Norden immer dunkler wird. Durch die fehlende Sonne sinken die Temperaturen. Der Polarwirbel ist dann intakt, wenn die Temperaturunterschiede zwischen Äquator und Pol besonders groß sind. Dann bringt der Polarwirbel vornehmlich Westwind nach Europa, der tendenziell nass und warm ist. Wir bekommen den klassischen Winter mit Schnee auf den Bergen und sonst eher Matsch.

Lese-Tipp: Polarwirbel – die Weichen für den Winter werden gestellt

Ist nun der Wirbel gestört, dann kann die kalte Luft sozusagen ausbrechen. Es kommt zu Phasen, in denen östliche Winde dominieren – wie bei einem Polarwirbel-Split. Die Ostwinde sorgen für Kaltluft-Import aus Nord- und Nordosteuropa – möglicherweise bringen sie sogar eine sibirische Kältewelle. Es kommt aber auch zu Lufteinfuhr aus dem hohen Norden. Ein gestörter Polarwirbel kann auch horrende Kälte bis in südliche Staaten der USA wie Texas tragen – wie im vergangenen Winter.

Eine warme Arktis bringt uns Europäern oft einen heftigen Winter

Die Wetterlage, die uns im Februar 2021 die Luft direkt aus Sibirien brachte. Der Polarwirbel-Split brachte am Rande der polaren Hochdruckgebiete richtige Eisluft nach Deutschland. © wetter-ressort

Was wissen wir also momentan? Wir wissen, dass die Arktis sich im Zuge des Klimawandels viel schneller erwärmt als der Rest der Welt. Das bedeutet, die Temperaturunterschiede sind nicht mehr so groß und der Polarwirbel wird dadurch instabiler und geschwächt. Mit anderen Worten: Je mehr die Arktis sich erwärmt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit für Winter mit Extrem-Ereignissen.

So werden die Winter zwar insgesamt wärmer, aber die Wahrscheinlichkeit für Extrem-Wetter nimmt zu. Das können ergiebige Niederschläge, Winterstürme oder auch ergiebiger Dauerregen sein, der in hohen Lagen dann Rekordschnee bringen kann.

Mehr zum Polarwirbel: Kennen Sie WACCy? warm arctic – cold continents

Dies bestätigte nun auch eine aktuelle Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Diese Studie bezieht auch die Eisdicke der Arktis mit in die Berechnungen ein. Hier lässt sich – auch wieder vereinfacht, aber anschaulich – sagen, dass eine geringere Eis-Ausdehnung über der Arktis extreme Wetter-Ereignisse in unserem Winter auf der Nordhalbkugel befeuert. Hier spielt der Albedo-Effekt eine Rolle. Offenes, dunkles Meer absorbiert die Sonnenstrahlen, während das weiße, klare Eis die Strahlung reflektiert. Je weniger Eis desto höher also die Temperatur. Je höher die Temperatur desto instabiler der Polarwirbel und je instabiler der Polarwirbel, desto höher das Extrem-Wetter-Risiko. Einfach gesagt.

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Wir werden uns an extremere Winter gewöhnen müssen

So sah es im Winter 2020/21 oft aus © imago images/Bernd März, Bernd März via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Nun ist es so, dass die Eis-Ausdehnung derzeit in der Arktis gar nicht so gering ist. Dies liegt wohl an dem ziemlich kühlen Sommer. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass der Winter 21/22 nicht so extreme Ausprägungen wie der vergangene haben könnte.

Blicken wir aber in die Historie, dann steht eindeutig fest: Die Eis-Ausdehnung nimmt messbar ab und wir bewegen uns seit vielen Jahren unter dem Mittel der Jahre von 1981 bis 2010. Mit anderen Worten: An extreme Wetter-Ereignisse in unseren Wintern werden wir uns gewöhnen müssen, auch wenn die Winter an sich immer wärmer werden.

Übrigens: Der Klimawandel hat auch Einfluss auf unsere Heizung – den Golfstrom. Sollte der versiegen, würden die Winter in Mitteleuropa sowieso kälter werden.

Hier mehr Hintergrundinfos zum Golfstrom in Zeiten der Klimakrise

Lese-Tipp: Ohne Golfstrom kühlt Europa ab

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(osc)